"Wo sind wir, wenn wir reisen?" fragt Paul Virilio programmatisch in seinem Essay 'Fahren, fahren, fahren …' aus dem Jahr 1978. "Wo liegt dieses 'Land der Geschwindigkeit', das nie genau mit dem zusammenfällt, das wir durchqueren?"* Unter anderem dieser Frage wird im Seminar nachgegangen, wobei auf der einen Seite die Geschichte der modernen Verkehrsmittel nachgezeichnet wird und auf der anderen Seite überprüft wird, inwiefern es sich hier gleichsam um eine Mediengeschichte handelt. Anhand des (vornehmlich touristischen) Unterwegsseins in verschiedenen Verkehrsmitteln (z.B. Postkutsche, Eisenbahn, Dampfschiff, Fahrrad, Flugzeug, Automobil) wird hinterfragt: Was sehen wir, wenn wir reisen und inwiefern fungieren Fortbewegungsmittel oder –methode als Wahrnehmungsdispositive, als Sehhilfen oder als Distanzierungsmaßnahmen?
*Virillio, Fahren fahren fahren, 1978, S. 19)

In den letzten zwei Jahrhunderten sind zahlreiche Orte entstanden, in denen sich alltägliche Erfahrungen auf engstem Raum verdichten. Es sind Orte der medialen Inszenierung, wie z.B. das Kino, die Autobahn, das Flugzeug, die Zeitungsredaktion, die Weltausstellung, das Schnellrestaurant oder die Kunstausstellung, die unsere Lebenswelt prägen und die Alltagskultur nachhaltig beeinflussen. Das Seminar untersucht eine Auswahl dieser modernen Plätze und Institutionen und stellt ihr Wechselspiel mit dem Alltag in einen breiten kulturhistorischen Zusammenhang. Die Grundlage bildet u.a. der gleichnamige Sammelband: Alexa Geisthövel/Habbo Knoch (Hg.): Orte der Moderne. Erfahrungswelten des 19. und 20. Jahrhunderts. Frankfurt/M./New York: Campus Verlag (2005).