
Das Seminar führt ein in die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens, Schreibens, Argumentierens: Über theoretische Lektüren und praktische Übungen nähern wir uns den wichtigsten Formen kulturwissenschaftlichen Arbeitens und Präsentierens (Texte lesen, Vorträge halten, Hausarbeiten und andere wissenschaftliche Texte schreiben).
- Kursleiter*in: Kai Knörr
- Kursleiter*in: Anna Zaglyadnova

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This event will be held in English. It is being organised jointly for BA-EMW students and students on the international degree programme ‘Science Climate, Earth, Water, Sustainability’ (CLEWS). |
| Additional information: As CLEWS students complete the module with a project assignment (due 30 September), EMW students are encouraged to join these projects for extra credits in Module 10 or 11, or to help develop them (project assignment). |
- Kursleiter*in: Birgit Schneider

| Das Lehrforschungsseminar analysiert die derzeitige Debatte um Social-Media-Verbote, die sich an verschiedenen Altersstufen festmacht. Im Zentrum dieser Debatte stehen Argumente wie Jugendschutz und mentale Gesundheit, Desinformation sowie die süchtig-machenden Strukturen der Apps. Nicht weniger als die Kindheit soll gerettet werden, wobei es auch darum geht, wann die Nutzung von Social-Media auch für Erwachsene problematisch ist. Die Debatte ist von zahlreichen Grundannahmen geprägt, die wir strukturieren und historisch herleiten werden, aber auch anhand des "adictive Design" von Apps abgleichen werden. Wir werden dazu Disziplinen und Forschungsansätze streifen wie die Psychologie, die Bildungswissenschaft oder die kritischen Plattform Studies. Um die verschiedenen Aussagen im Diskurs zu ordnen, nutzen wir die Methode der Diskursanalyse, die wir auf Medien wie Zeitungsartikel, Filme und Bücher anwenden. Ein weiterer Strang des Seminars wird historisch sein und fragen, wie und wann sich die Vorstellungen von Konzentration und Aufmerksamkeit entwickelt haben, aber auch, inwiefern sich das Ideal eines unverstellten (Natur-)Zugangs zur Welt in der Debatte wiederfindet. Denn einige der Grundannahmen wie soziale Isolation, Verdummung, Suchtgefahr und Zerstreuung sind aus der Geschichte der Medien altbekannt. Das Seminar erfordert die Lektüre verschiedener Textsorten sowie die Lust am kritischen Denken und diskutieren. Bestenfalls haben wir am Ende des Seminars eine gewichtete Haltung zum Thema entwickelt, die dem komplexen Thema gerecht wird. |
Testat: Diskursanalyse (2-3 Seiten) |
- Kursleiter*in: Birgit Schneider
Beschreibung:
Ausgangslage: Die ökonomische Ungleichheit in den führenden Industrienationen hat sich über vier Jahrzehnte dramatisch verschärft. Folgt die Vermögenskonzentration bei anhaltenden Preissteigerungen den bisherigen Verläufen, nähern wir uns statistischen Unterschieden an, die etwa dem Europa des 17. Jahrhunderts entsprechen (Piketty). Die demokratische Rechtfertigung für die Akkumulation des Großteils des Kapitals bei einer kleinen Gruppe von Menschen lautete bisher, dass die gesamte Bevölkerung durch den Trickle-down-Effekt mit dem „sozialen Fahrstuhl“ (Beck) gleichmäßig nach oben fahren werde. Dass dieses „sozioökonomische Experiment“ gescheitert ist, bestreiten heute nur noch wenige Ökonom*innen (Linartas). Die Auswirkungen auf individuelle Lebensverläufe sind immens: Die soziale Mobilität – der Indikator für Chancengerechtigkeit – ist in Deutschland strukturell blockiert. Seit den 1980er Jahren hat sich der Einfluss der sozialen Herkunft auf das Einkommen verdoppelt (ifo 2025). Ohne Erbschaft ist der Erwerb von familientauglichem Wohneigentum bei durchschnittlichem Einkommen angesichts der Immobilienpreissteigerungen kaum mehr realisierbar, da die Finanzierungskosten die Belastungsgrenze überschreiten, während der Markt für Mietwohnungen längst zum ungebremsten Spekulationsgeschäft geworden ist. Die grundlegenden Lebensbedingungen sind für mehr als die Hälfte der Bevölkerung zur täglichen Unsicherheit geworden; der jahrzehntelange Imperativ der Leistungsgesellschaft ist angesichts der strukturellen Ungleichheiten zur leeren Worthülse mutiert. Gleichzeitig wird mit der entstehenden Prekarisierung eine Form des Regierens betrieben (Lorey), die Segregation als Strategie einsetzt – eine Dynamik, die die Stabilität liberaler Demokratien massiv unter Druck setzt. Seminarkonzept: So eindeutig die empirische Lage, so vielschichtig ist deren ideengeschichtliche Einordnung. Ausgehend von einem aktuellen filmischen Beispiel analysiert das Seminar die in der Aufklärung entstandenen Kategorien von Gleichheit und Ungleichheit sowie die davon abgeleiteten Rechtfertigungen sozialer Ordnung. Wir werden untersuchen, wie im Übergang von einer feudalen zu einer bürgerlichen Gesellschaft (Borkenau) mit philosophischen Bezugnahmen auf einen „Naturzustand des Menschen“ (Hobbes, Rousseau) die argumentativen Grundlagen für vertragliche Konzepte sozialer Ordnungen geschaffen wurden. Dabei erlangen wir ein tieferes Verständnis für die wechselseitige Abhängigkeit von Menschenbildern („Wie ist der Mensch?“) und Staats- bzw. Gesellschaftstheorien („Wie wird Gemeinschaft organisiert?“) und erkennen, wie Menschenbilder, Machtverhältnisse, Gesellschaftstheorien, Marktlogiken, Kapitalakkumulation und Ungleichheitsregime zusammenhängen. Darüber hinaus nutzen wir aktuelle anthropologisch-archäologische Einblicke in die Menschheitsgeschichte sozialer Ordnungen (u. a. Graeber und Wengrow), welche die gedankenexperimentellen Vorstellungen der Aufklärung hinterfragen und auf Basis aktueller Forschung neu bewerten. Ablauf: So theoretisch dieser Hintergrund erscheint, so praxisorientiert ist unser Zugang. Nach Screening-Sessions des Films Triangle of Sadness (2022) erstellen die Teilnehmenden erste Analysen der dort verhandelten Ungleichheiten in den filmisch konstruierten sozialen Räumen (Bourdieu). Darauf aufbauend folgt die sukzessive Theorielektüre philosophischer, anthropologischer und feministischer Texte. Die Theorie dient hierbei dezidiert der Vertiefung der eigenen Ungleichheitsanalysen – nicht umgekehrt.
- Kursleiter*in: Alexander Schindler
- Kursleiter*in: Anna Zaglyadnova
Nationale und internationale Konflikte, Folgen von Katastrophen, aber auch von sozialen Missständen, befördern in kulturwissenschaftlichen und künstlerischen Arbeiten immer wieder Szenarien und Denkfiguren, die das jeweilige Potential einer Situation um- oder weiterdenken lassen. Hierbei entstehen oft utopische bzw. dystopische Zukunftsvisionen, die wiederum Rückschlüsse auf die Analyse der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situationen zulassen und auch Vorschläge für eine Neubetrachtung historischer Bedingtheiten machen.
“The here and now is a prison house. We must strive, in the face of the here and now’s totalizing rendering of reality, to think and feel a then and there. Some will say that all we have are the pleasures of the moment, but we must never settle for that minimal transport; we must dream and enact new and better pleasures, other ways of being in the world, and ultimately new worlds.” J. E. Munoz, Cruising Utopia
Das Seminar wird sich mit kulturwissenschaftlichen Texten beschäftigen insbesondere aus dem Bereich der postcolonial/decolonial und feministisch-queeren Theorie und diese mit aktuellen Beispielen der Video- und Performance-Kunst in Verbindung setzen. Das Seminar will Raum schaffen für die Reflexion, was utopisches Denken und Handeln heute bedeuten könnte.
Das Seminar wird u.a. an Ausstellungsorten stattfinden bzw. den Studierenden tiefergehende Einblicke in aktuelle Ausstellungen geben und diese in Bezug setzen mit den Seminar-Themen.
Zum Beispiel in den Ausstellungen von Marina Abramović 'Balkan Erotic Epic. The Exhibition' im Gropius Bau und 'TRUTH' von Shilpa Gupta im Hamburger Bahnhof an der Schnittstelle von Sprache, Macht und Kontrolle.
- Kursleiter*in: Karin Michalski
