Europäische Medienwissenschaft

Im Projektseminar untersuchen und experimentieren Sie ausführlich mit Soundmaterial, Sie erschließen beim Abhören und Montieren im Audiolabor grundlegendes Technikwissen und charakteristische Ausdrucksmittel akustischen Erzählens. Wir reflektieren gemeinsam Alltagsformen akustischer Medien (Radio, Podcast, Audiowalk). Ein Schwerpunkt kann diesmal auf den spielerisch-experimentellen Einsatz von historischem Digital- und Analog-Equipment gelegt werden. Es besteht die Möglichkeit der gemeinsamen Gestaltung einer europaweit empfangbaren Radio-Kurzwellen-Sendung in Kooperation mit dem Funkerberg-Radio Königs Wusterhausen.

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Dozent*in: PD Dr. Bernd Bösel

PD Dr. Bernd Bösel

bernd.boesel@uni-potsdam.de
 
Semester: WS 2025/2026
Termin: Blockseminar Februar
Ort: Uni Potsdam
SWS: 2
Studiengang: MA
Module (MA): 3
Pflichtveranstaltung: -
Veranstaltungsart: Seminar
Leistungspunkte: 2
Zielgruppe: alle MA-Studierenden
Teilnehmerbegrenzung: 25
Evaluation aktiviert: nein


Beschreibung:
Das Medium Sprache verleitet uns zu Abstraktionen, die oftmals zu groß und zu grob sind, um die Welt angemessen zu beschreiben. Wir verwenden alltäglich Begriffe, von denen wir oft nicht wissen, was sie genau sagen. Einer dieser Begriffe ist »Technik«, der im Deutschen gerne so verwendet wird, als bezeichnete er einen klar demarkierten Bereich der Welt. Aber »die« Technik oder einfach nur »Technik« gibt es gar nicht. Was uns tatsächlich begegnet, was uns durchdringt und beschäftigt, sind vielmehr Techniken und Technologien. Im Plural vom Technischen zu sprechen, ist weit mehr als eine bloß akademische Übung in Präzision; vielmehr öffnet die Pluralisierung den Diskurs für Differenzen und Alternativen. Erst dann wird es klar, dass die Art und Weise, wie das Technische vornehmlich diskursiviert, inszeniert und vermarktet wird, kein Schicksal darstellt, dem wir uns fügen müssen. Vielmehr gibt es immer zugleich widerstreitende Denkmodelle und Weisen, die Welt zu technisieren – und das inkludiert unsere Beziehungen zu Mitmenschen und anderen Mitwesen, sowie uns selbst, d.h. unsere Körper, unsere Seelen und unseren Geist.

Die »Frage nach der Technik« (Heidegger) ist zu übersetzen in die Frage nach den konkreten Techniken und Technologien; in die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass wir glauben, dass es Sinn macht, von »der« Technik zu sprechen; in die Frage nach den Machtverhältnissen, die sich in einer solchen Singularisierung des Technischen zum Ausdruck bringt; in die Frage nach alternativen Konzepten des Technischen; in die Frage nach Techniken des Widerständigen, der Kritik, der Gegenhegemonie etc.

Wir werden im Seminar einigen dieser alternativen Weisen, über das Technische zu sprechen, nachgehen. Die Impulse sind vielfältig: Sie kommen aus dem Postkolonialismus, aus dem Feminismus, aus der Kulturtechnikforschung, aus der Medienarchäologie, aus der Kunstgeschichte und der ästhetischen Theorie, aus der Soziologie und natürlich auch aus der (Technik-)Philosophie. Die zu sichtende Literatur ist dementsprechend breit. Die Interessen der Teilnehmenden werden bei der Auswahl nach Möglichkeit berücksichtigt.
Testat: Präsentation (10 bis maximal 15 Minuten) über eine selbst gewählte alternative Technik-Konzeption. Zur Wahl stehen die Quellen, die im Seminar zur Verfügung gestellt werden, es können aber auch Ergebnisse eigenständiger Recherchen präsentiert werden. Ziel ist es, über die Präsentation in eine anregende gemeinsame Diskussion einzusteigen.

Das Seminar wird geblockt in der Woche vom 9.–13. Februar 2026 in Präsenz an der Uni Potsdam stattfinden. Eine ausführliche, vierstündige Vorbesprechung findet im November nach Möglichkeit ebenfalls in Präsenz statt, der genaue Termin hierfür wird mit den angemeldeten Teilnehmer*innen noch vereinbart.
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Entgegen den anhaltenden Erzählungen eines stets wachsenden und sich immer breiter verteilenden Wohlstands, kann seit mehr als zwei Jahrzehnten ein neues Maß an sozialer Ungleichheit beobachtet werden, das sich durch bestehende soziologische Erklärungsmodelle nur schwer fassen lässt. Aus der so genannten Leistungsgesellschaft (‚Meritokratie‘) und ihrem zentralen Versprechen eines sozialen Aufstiegs durch Bildung und beruflichen Fleiß für jede/n, hat sich u.a. Deutschland zu einer Gesellschaft entwickelt, in der strukturelle soziale Ungleichheiten zunehmend reproduziert werden. Soziale Mobilität – das meritokratische Kernargument – wird statistisch gesehen zur Ausnahme.

Was insbesondere deutsche Soziologen (es waren dies ausschließlich männliche Autoren) der 1980er mit dem Individualisierungstheorem oder der Aufstiegsgesellschaft beschrieben und damit einen endlos fahrenden „sozialen Fahrstuhl“ figurierten, der alle gleichsam nach oben bringt, wird seit einigen Jahren einer überfälligen Revision unterzogen. Die ‚Abstiegsgesellschaft‘ Deutschlands (Nachtwey) und die globalen Analysen neuer ‚Ungleichheitsregime‘ (Piketty) sind dabei nur zwei der zahlreichen Konzepte in einer nun wachsenden Landschaft der Ungleichheitsforschung. Einigkeit herrscht hier darüber, dass die soziale Herkunft (‚Klassenhintergrund‘) wieder zu einem der zentralen Marker für die individuellen Chancen in einer Gesellschaft wurde.

In diesem Blockseminar plus Vorbereitungszeit per Zoom (!) widmen wir uns diesen Entwicklungen gemeinsam und in Arbeitsgruppen, in dem wir sie anhand von drei, eng verbundenen, Bereichen betrachten: Bildungschancen und -klassismus; mediale Repräsentation von sozialer Ungleichheit; Gegenwart von Demokratie und Partizipation.

Details zum Ablauf, insbesondere der Gruppeneinteilung und der Vorbereitungsarbeiten, werden noch bekannt gegeben.

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Museen und Ausstellungen sind traditionell (auch) ein Ort für die Inszenierung von Identität und Alterität. Auch wenn sich kaum ein Museum diesem Prinzip entziehen kann, gibt es Ausstellungen, die sich ausschließlich dem 'Anderen' und 'Fremden' widmen, wie z.B. ethnographische Dörfer, ethnologische bzw. Völkerkundemuseen, aber beispielsweise auch Zoologische Gärten. All diese Ausstellungsformen sind im 19. Jahrhundert entstanden und tragen ein kompliziertes Erbe, mit dem sie sich heute auseinandersetzen wollen.

In diesem Projektseminar wird es zunächst theoretisch um die Geschichte des Ausstellens, insbesondere um die Ausstellung des 'Fremden' gehen. In einem zweiten Schritt werden wir drei bis vier Ausstellungen/Museen besuchen und uns anschauen, wie der Blick auf das Andere und das Fremde heute erfolgt und wie die Ausstellungsorte mit ihrem (zum Teil wirklich komplizierten) Erbe umgehen. Um die Bandbreite möglichst groß zu halten, wird außerdem jede*r Teilnehmer*in eine thematisch passende (historische oder aktuelle) Ausstellung vorstellen. Schließlich soll in Arbeitsgruppen untersucht werden, wie ein zeitgemäßer Umgang mit dem 'Fremden' in Ausstellungen aussehen kann. Hierfür soll ein Konzept bzw. eine Projektidee entworfen werden.

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Die Produktion von Forschung und Wissen ist in (post-)kolonialen Verhältnissen oft geprägt von sozialen und materiellen Hierarchien. Der französische Philosoph Édouard Glissant fordert daher ein Recht auf Opazität ein, das Recht, nicht verstanden zu werden, und stellt sich gegen den Anspruch auf allumfassende Transparenz. Für wissenschaftliche und auch künstlerische Projekte stellt sich die Frage, welche Ausdrucksformen dieses Recht auf „opacity“ annehmen könnte. Dieses Seminar fragt u.a. nach der Aktualität von Glissants Ansätzen. Fragen, die uns auch beschäftigen werden: wie gehen Kunstorte (deren Leitungen und Kurator*innen) mit der aktuellen politischen Situation um? Welche Vorstellungen haben wir von Kunstorten und wie würden wir uns selber darin gerne sehen? (siehe auch Andrea Geyers Manifest und die partizipatorische Performance "I Want" 2024 im Gropius Bau).

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