
Demokratie braucht Qualitätsmedien – doch guten Journalismus gibt es nicht zum Nulltarif. Historisch haben sich daher verschiedenste Finanzierungsmodelle entwickelt, um vielfältigen und hochwertigen Journalismus hervorzubringen. Dazu gehört für Politik und Medienhäuser die Herausforderung, den "Wert der Wahrheit" zu beziffern, und für eine öffentliche oder kommerzielle Gegenfinanzierung zu sorgen. Im Seminar werden unterschiedliche Modelle vergleichen und aktuelle Entwicklungen diskutiert.
- Kursleiter*in: Kai Knörr
- Kursleiter*in: Dr. Christoph Rosenthal
- Kursleiter*in: PD Dr. Bernd Bösel
In diesem gestaltungsexperimentellen Forschungsseminar recherchieren, analysieren, reflektieren und produzieren wir bestehende und alternative Repräsentationen von “Trockenheit” als "re-representational paths” (Susan Leigh Star).
Brandenburg, mit der Metropolregion Berlin-Brandenburg in seiner geografischen Mitte, ist Teil einer globalen hydrologischen Krise. Die anhaltenden Dürren im niederschlagsärmsten Gebiet Deutschlands dominieren die zyklischen Kreisläufe aus Verdampfung, Kondensation, Sublimation, Ausfällung, Transpiration und Abfluss bereits seit mehreren Jahren. Auf makroskopischer Ebene wirkt der Klimawandel als massiver Verstärker, die Ursprünge der nicht-intendierten materiellen Folgen dieser riskanten Eingriffe liegen aber auch in der seit Jahrhunderten betriebenen Übernutzung der Böden im Gebiet. Ehemals als Feuchtgebiet operierend, wurde die kritische Zone (Bruno Latour) trockengelegt, um monokulturelle Agrarwirtschaft und Bergbau für imperiale Bestrebungen zu ermöglichen. Die gegenwärtigen und zukünftigen Veränderungen als Verstrickungen aus wissenschaftlichen, technologischen und politischen Prozessen sind diskursiv schwer zu fassen. Als vielschichtige und kontinuierliche Abhängigkeiten übersteigen sie das Repertoire bestehender Repräsentationsstrategien. Dennoch wird weiter über unterschiedlichste Medien vermittelt, vielfach provisorisch und mittels un-situierter Praktiken. Die bereits seit längerer Zeit ausgerufene “Krise der Repräsentation” wirkt hier semiotisch und epistemisch ebenso wie demokratisch.
Im Seminar nähern wir uns dem Thema mit kulturanthropologischer Haltung sowohl aus medienkultur- wie auch landschaftsarchitektonisch-forschender Perspektive an. Dabei bilden wir kooperative Verbindungen zwischen zwei Universitäten, Fachdisziplinen und darüber hinaus bis ins “öffentliche Geschehen”. Wir greifen auf aktuelle empirisch-philosophische, wissenschafts- und technikforschende, ethnologische, historische, naturwissenschaftlich-informierte und postkoloniale Konzepte zurück und beobachten, wie die kultur-natur-gewordenen Zusammenhänge und die kontinuierlich verhandelten “ontologischen Politiken” (Annemarie Mol) der Bürger*innen im Gebiet, zu denen auch wir gehören, “enacted” werden.
Das Testat besteht entweder aus der protokollierten Recherche zu bestehenden Repräsentationsformen (2-3 Seiten) oder aus der groben fragmentarischen Gestaltung (einer) eigener/n Repräsentationsform(en) bzw. einem konzeptionellen Ansatz dessen (2-3 Seiten). Beides kann die Form von textlichen, ethnografisch beobachtenden, narrativen, grafischen, auditiven, skizzenhaften, fotografischen, videografischen, collagierten etc. Beiträgen (+erklärende Kommentierung des eigenen Prozesses) haben.
- Kursleiter*in: Alexander Schindler

Das Projektseminar beleuchtet ausführlich begriffliche und methodische Grundlagen der Medien- und Kulturarbeit. Dabei soll es hier nicht sofort um die Vermittlung standardisierter Verfahren gehen, sondern um die Entwicklung eigener reflektierter und prozessorientierter Arbeitsweisen. Mit welcher Art von Projekten können wir als Medienwissenschaftler*innen zu einer nachhaltigen, sinnstiftenden und lebendigen (Arbeits-)Welt beitragen? Was wären die Themen, die wir unbedingt projektförmig angehen müssten - und wieso?
Im ersten Abschnitt des Seminars rekonstruieren wir Geschichte und Konjunkturen des Projektbegriffs, analysieren projektförmiges Denken und Handeln sowie die Querverbindungen zum Management als vorherrschender Führungskultur. Im zweiten Teil treffen wir Praktiker*innen aus unterschiedlichen Bereichen der Medien- und Kulturökonomie und befragen sie zu ihren Ansätzen und Projekt-Erfahrungen. Drittens schauen wir uns aktuelle Projektmanagement-Formate, digitale Tools und analoge Methoden vergleichend an. Welche Projekte bräuchte es, um den Weg in eine zukunftsfähige (Medien-)Ökonomie zu bahnen? Und gibt es eigentlich Aufgaben, die sich nicht als Projekt(e) darstellen lassen?
- Kursleiter*in: Kai Knörr
- Kursleiter*in: Dr. Susanne Müller

Im Jahr 1787 meldet Robert Barker eine denkwürdige Erfindung zum Patent an: Ein Gemälde mit dem Titel La Nature à Coup d'Œil (Die Natur auf einen Blick). Dahinter verbirgt sich ein begehbares Panorama-Rundbild. Die Idee dazu, so heißt es, sei ihm während eines Sonntagsspaziergangs auf dem Calton Hill oberhalb von Edinburgh gekommen. Natürlich verstößt ein solches übergroßes, gebogenes und rahmenloses Gemälde gegen alle Regeln der Kunst, doch das stört den Autodidakten Barker wenig, er ist fest entschlossen, seine Idee gegen alle Widerstände in die Tat umzusetzen. Wenig später folgt die bereits oben erwähnte Patentanmeldung, 1792 wird die erste Panoramarotunde am Leicester Square eröffnet und nur wenig später avanciert das Panorama zum beliebtesten und erfolgreichsten visuellen Massenmedium Europas.
Das Seminar setzt sich in einem historischen Teil mit der Medialität und der Geschichte des Panoramas von späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart auseinander. Im Weiteren geht es dann um die Frage, unter welchen Bedingungen von ‚Panoramakunst‘ die Rede sein kann und inwiefern Wechselbeziehungen zwischen panoramatischen Darstellungen und der ‚Kunstwelt‘ bestehen.
- Kursleiter*in: Dr. Susanne Müller

„Die Technik kommt, wenn man sie braucht!“ konstatiert Béla Balázs 1930 in seinem Buch ‚Der Geist des Films‘. „Erfindungen, auch künstlerische, werden nie zufällig oder aus der Laune eines Genies geboren. Sie sind fällig, wenn ein ökonomisches oder ideologisches Bedürfnis danach vorhanden ist. (Der Erfinder braucht nichts davon zu wissen.)“* Diesem Zitat liegt die zunächst recht einfache Schlussfolgerung zu Grunde, dass sich keine weltbewegende Erfindung durchsetzen kann, ohne eine Welt, die sich ihrer annimmt. Dieser Aspekt wird jedoch hochkomplex, wenn technische oder mediale Innovationen danach befragt werden, weshalb sie sich zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort durchgesetzt haben (oder eben nicht); zumal zwischen dem ersten Auftreten einer Erfindung und einer technischen oder medialen Standardisierung Jahrzehnte oder gleich ein ganzes Jahrhundert liegen können. Im Seminar geht es sowohl um frühe Erfindungen als auch um spätere Standardisierungen. Wir arbeiten anhand konkreter Fragestellungen, bei denen das ‚Erfinden‘ als Begriff oder Kulturtechnik im Mittelpunkt steht. Beispiele sind u.a. die begriffliche Herleitung des Erfindungsbegriffs, die Auswirkungen des Patentrechts, die Rolle der Akteur*innen, Katalysatoren für den Aufstieg und Untergang von Technologien.
- Kursleiter*in: Dr. Susanne Müller

| Die Medienästhetik-Vorlesung widmet sich den Themenkreisen Wahrnehmung, Umgebungen und Kreisläufe. Sie stellt die Ästhetik im Sinne der Aisthesis ins Zentrum – also als Lehre von der sinnlichen Wahrnehmung. Diese wird anhand von zentralen Begriffen wie Mimesis, Simulation, Schein, Immersion, Aura und Atmosphäre sowie technisches Sensing entfaltet, Begriffe, die für viele Fragen der Medienwissenschaft zentral sind. Wir nehmen aber auch Konzepte wie virtuelle Umwelten und den Begriff des environments in den Blick und Fragen nach der Ästhetik spezifischer Medien von Panorama bis zum Smart Phone. In jeder Woche befassen wir uns anhand von Primärtexten mit AutorInnen, die hierzu einschlägig publiziert haben und von denen einige auf ganz unterschiedliche Weise eine ökologische Ästhetik skizziert haben. Im Zentrum steht die Frage, wie Umwelten wahrgenommen werden und was geschieht, wenn diese Wahrnehmung medial und technisch aufgerüstet wird durch Prothesen, Linsen, Kameras, Projektionen, Head Mounted Displays oder Go-Pro-Kameras. Die Vorlesung wird dabei Schlaglichter der Theorie praxisnah anhand von zahlreichen einschlägigen, aber auch randständigen Beispielen aus allen Bereichen der Kunst entfalten. |
- Kursleiter*in: Dr. Sebastian Möring
- Kursleiter*in: Dr. Susanne Müller
