Das Forschungskolloquium bietet ein Diskussionsforum für Dissertations¬vorhaben und Masterarbeiten, um die Entwicklung von Forschungsthesen und das methodische Vorgehen zu optimieren.

Hinweis: BITTE NUR BELEGEN, wenn Sie an einer Abschlussarbeit arbeiten oder eine solche beginnen.

Bei diesem Blockseminar handelt es sich um eine 7-tägige Exkursion mit Vor- bzw. Nachbesprechungsterminen. Thema ist der Lebensalltag einer Hirtensiedlung im Piemont. In den 16 zwischen 1200 und 1800 m hoch gelegenen Streusiedlungen Rimellas hat sich teilweise ein Lebensalltag erhalten, der vormoderne Lebensweisen dokumentiert. Durch EU-Förderungen werden zunehmend Gelder dazu eingesetzt, Straßen zu bauen und einzelne Häuser zu renovieren. Diese Maßnahmen unterstützen nur geringfügig die tatsächlichen Bedürfnisse der Bewohner und zerstören teilweise eine Landschaft, die bisher einen sanften Wandertourismus angezogen hat, von dem die Dorfbewohner leben.
Ziel der Exkursion ist es, zum einen die vormodernen Lebensweisen und ihren Zusammenhang mit Lebensraum und Lebensqualität kennenzulernen (Lebensgeschichten). Zum anderen sollen die teilweise bereits umgesetzten bzw. geplanten Modernisierungsmaßnahmen im Hinblick auf ihren tatsächlichen Gewinn für Lebensqualität diskutiert werden.

Mythen sind eine besondere symbolische Form, mit der Leben und Tod, Welt und Universum, aber auch unser Alltagsleben erklärt wird. Der Mythos wurde im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder dem Logos als rationales Welterklärungsmodell entgegensetzt. Um das Wesen und Wirken des Mythos gestern und heute bzw. v.a. heute auch seine gezielte Nutzung zu verstehen, müssen wir uns mit der Bewertung des Mythos und den postulierten Vorzügen des Logos auseinandersetzen, um sowohl einer Mythisierung des Logos als auch des Mythos vorzubeugen. Beide Erklärungsmodelle haben Schwächen und Stärken.

Als Kulturschaffender bewegt sich der Mensch seit Jahrhunderten auf einer Gratwanderung. War er zunächst einer ihn bedrohenden Natur ausgesetzt, so wurde er durch Erfindergeist zunehmend selbst zu einer Bedrohung der Natur. Grundlage dieser Entwicklung ist neben den technischen und technologischen Möglichkeiten, die er entwickelt hat, um sein Leben zu erleichtern und seine eigene Vergänglichkeit zu bezwingen, vor allen das Verständnis von Natur bzw. von Kultur sowie das zwischen diesen beiden Polen immer wieder neu formulierte Selbstverständnis. Wie dieses Selbstverständnis deute definiert wird, wird entscheidenden Einfluss auf die Zukunft von Natur, Mensch und Kultur nehmen. Wir werden uns daher einerseits mit Kultur-, Kunst-, Technik- und Wissenschaftsgeschichte befassen, sie als Zeichensysteme im Hinblick auf Natur-, Kultur- und Selbstverständnis lesen, um diese Entwicklung vor dem Hintergrund der jeweiligen Machtaggregate nachzuvollziehen und ihre entscheidenden Wendepunkte sichtbar zu machen. Andererseits sollen Gegenentwicklungen verfolgt werden, um sichtbar zu lassen, dass es alternative Konzepte und insbesondere alternative Formen kulturellen Lebens gibt bzw. praktiziert werden, die Natur und Kultur nicht in ein unvereinbares Spannungsverhältnis setzen. Damit ist nicht nur ein anderes Selbstverständnis verbunden, sondern a! uch eine andere Einstellung zur Lebensführung.