In einer Geschichtswissenschaft, die sich für individuelle und gemeinschaftliche Erfahrungen interessiert, spielen Ego-Dokumente eine große Rolle. Dabei ist die Bandbreite groß: von Briefen und Tagebüchern, die in engem Zusammenhang mit berichteten Ereignissen entstehen und eher privat bleiben bis zu Memoiren und Erinnerungen, die von vornherein für die Veröffentlichung bestimmt waren. Das Seminar möchte zeigen, welche Fragen an solche Quellen gestellt werden können und wie sie in der Geschichtsschreibung, aber auch in studentischen Arbeiten interpretiert werden können. Die Beispiele umfassen berühmte Persönlichkeiten und unbekannte Personen vom hohen Adel über bürgerliche Gelehrte bis zu Arbeitern und Dienstmägden. In einer geschlechtergeschichtlichen Perspektive geht es um Frauen und Männer (Königin Luise, Napoleon, Alexander v. Humboldt, Thomas Mann, Soldaten des Ersten Weltkrieges, Paula Modersohn-Becker, Helene Lange). Der Untersuchungszeitraum reicht vom späten 18. bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Teilnehmenden werden sich mit Grundlagenliteratur zu Selbstzeugnissen beschäftigen und jeweils ein Beispiel, das auch selbst vorgeschlagen werden kann, vorstellen.        

Autobiographien

V. Depkat/W. Pyta Hg., Briefe und Tagebücher zwischen Text und Quelle, Berlin 2021; A. Dusini, Tagebuch. Möglichkeiten einer Gattung, München 2005; M. Heuser, Autobiographien von Frauen, 1996; W. Schulze Hg., Ego-Dokumente in der Geschichtswissenschaft, 1996; Quellengattung Tagebuch, in: regionalgeschichte.net.