Ökologische Fragen und Sorgen bestimmen unsere Gegenwart. Naturwissenschaftler*innen warnen heute evidenzbasiert angesichts des erschreckenden Rückgangs der globalen Biodiversität und vor den immer katastrophaler werdenden Folgen des Klimawandels. Gleichzeitig ist die Liste an Beispielen aus der zeitgenössischen (populären) Kultur unüberschaubar, die auf diese Fragen und Sorgen Bezug nehmen: Ökothriller, Dokumentationen, „Soli“-Konzerte…

In diesem Seminar möchten wir solche und andere ökologischen Fragen mit musikwissenschaftlichem Ohr vernehmen. Wichtige Begrifflichkeiten wie Ökologie, Natur und Kultur bedürfen dabei einer vorhergehenden Klärung. Darauf aufbauend diskutieren wir Ansätze der Ökomusikologie (Allen/Dawe 2016). Es werden so etwa Infrastrukturen und Ressourcen des Muszierens und Musikhörens infrage gestellt und die Wechselbeziehungen des Menschen und seiner Kultur mit der „natürlichen“ Umgebung werden hervortreten. Auch wollen wir gemeinsam neuere musikalische Beispiele wie Tanya Tagaqs Animism oder John L. Adams‘ Become Ocean hören und diskutieren.

Einer Aufforderung von Jim Sykes (2020) folgend, sollte Ökomusikologie es sich nicht mehr leisten, zwischen ethnologischen und historischen Ansätzen unüberbrückbare Gräben zu ziehen. Denn: Ökologische Aspekte lassen sich in den heutigen Zeremonien der Yoreme genauso wie in italienischen Opern-Periodikals um 1880 freilegen und bestimmen vielleicht immer schon das Verhältnis von Mensch und Musik.


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