Kaum ein Essay hat den modernen Menschenrechtsdiskurs so geprägt wie der Essay Es gibt nur ein einziges Menschenrecht von Hannah Arendt aus dem Jahr 1949. Zentraler Gegenstand ist das Paradox zeitgenössischer Politik: So bezeichnet Arendt das Problem, dass der Idee der Menschenrechte zufolge alle Menschen unveräußerliche Menschenrechte haben sollen, weil sie Menschen sind; dass faktisch aber tausende Menschen zu absolut Entrechteten wurden, als sie durch ihre Flucht vor den Nazi-Verbrechen mit ihrer Heimat auch ihre Staatsangehörigkeit verloren. Spätestens durch die sogenannte ‚Flüchtlingskrise‘ ist offensichtlich geworden, dass der rechtliche Status von Menschen, die ihre Heimatstaaten verlassen haben oder vertrieben wurden, immer noch nicht wirklich geklärt ist. Als Lösung plädiert Arendt für ein ‚Recht auf Rechte‘. Dieser Lösungsvorschlag ist irritierend, solange nicht geklärt ist, welche politische Instanz das Recht ggfs. absichern könnte. Die Vereinten Nationen sind eine Vereinigung von (einzelnen) Nationen; eine Weltregierung könnte ins Totalitäre pervertieren, wovor es kein Entrinnen gäbe; die Menschheit ist keine juridisch einklagbare Instanz. Das Seminar diskutiert Arendts Position und verschiedene prominente Interpretationen.


ePortfolio: Nein