Obwohl menschliche Bautätigkeit unsere Kultur und systemisch alle Bereiche der Lebenswelt prägt, fehlt ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein für „Baukultur“. Ausgehend von einem erweiterten Architekturbegriff, der die gebaute Umwelt und alle damit verbundenen Praxen umfasst, kann Baukulturelle Bildung Formen der Selbstermächtigung evozieren und Handlungsmöglichkeiten erschließen. Baukulturelle Bildung als Querschnittsthema verbindet Disziplinen wie Architektur, Stadtplanung und Raumgestaltung mit kunstpädagogischen Fragestellungen. Externe Akteur:innen sind bereits in einem multiprofessionellen Feld in diesem Bereich tätig, in Schule und in der Lehrkräfteaus- und Weiterbildung jedoch spielt Baukulturelle Bildung weiterhin nur eine marginale Rolle. Ohne eine Affinität der Lehrkraft für diese Thematik sei eine Implementierung in den Unterricht kaum zu realisieren. Zu diesem Ergebnis kommt u.A. eine durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBSR 2023) in Auftrag gegebene Studie. Weder sei der Begriff im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert, noch Gegenstand von Schule und Unterricht. Die forschungsorientierte Auseinandersetzung mit „Baukultureller Bildung“, die Vermittlung von Themen einer gebauten Umwelt und die damit verknüpften Prozesse, sind ein Desiderat der Kunstpädagogik, obwohl es ein curricular festgeschriebenes Element des Fachs darstellt. Dies macht die Professionalisierung von Lehrkräften dringend notwendig. Nur durch die frühzeitige Thematisierung von Baukultur im Unterricht können Kinder und Jugendliche jeglicher Provenienz lernen, eigene Räume zu kreieren und öffentliche Räume ihren Bedürfnissen anzupassen – auch im Sinne einer spezifischen Form der Demokratiebildung und der BNE in einer Gesellschaft multipler Krisen.

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