In der vereinten Bundesrepublik galt die DDR lange Zeit als reines Auswanderungsland. Die DDR-Gesellschaft wurde als eine homogen deutsche und weiße Gesellschaft imaginiert. Dass trotz vergleichsweise geringer und staatlich kontrollierter Einwanderungsbewegungen auch die DDR-Gesellschaft migrantisch geprägt war, gerät seit einigen Jahren jedoch zunehmend in den Blick von Wissenschaft und Öffentlichkeit.

Das Seminar widmet sich verschiedenen innersozialistischen Migrationswegen, die sich vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der Dekolonialisierungsprozesse des Globalen Südens in Richtung DDR geöffnet haben. Migrant:innen kamen als politisch Exilierte, über Studien-, Ausbildungs- und Arbeitsmigrationsprogramme in die DDR. Ihre Situation war von dem Spannungsverhältnis geprägt, dass die DDR einerseits offiziell antikolonial und antirassistisch ausgerichtet war, andererseits struktureller Rassismus und postkoloniale Abhängigkeiten weiterhin existierten.

1990 verschwand der Staat DDR, nicht jedoch die Menschen, die in ihr lebten. Während ein Großteil der Migrant:innen in ihre Herkunftsländer zurückkehrten, verblieben andere in der vereinten Bundesrepublik, wo sie zunächst ökonomischer und rechtlicher Prekarität sowie einem lebensbedrohlichen Rassismus ausgesetzt waren. In der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre, infolge politischer Kämpfe und zivilgesellschaftlichem Druck, stabilisierte sich die Situation der meisten Migrant:innen aus der DDR, die über die deutsche Vereinigung hinaus im post-sozialistischen Deutschland geblieben sind.

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