Im Seminar erarbeiten die Studierenden autobiographische Texte von trans* und inter* Personen im deutschsprachigen Raum des frühen 20. Jahrhunderts. Sie nähern sich den Quellen durch die Kernfragen der queer historiography (queere Geschichtsschreibung) sowie Ansätze zur trans Geschichtsschreibung. Das Seminar behandelt Memoiren wie Aus eines Mannes Mädchenjahren von Karl M. Baer (1907) oder Aus dem Leben einer männlichen Gymnasiastin von Leopold Zahn (1910) sowie die Zeitschrift Das dritte Geschlecht (1930-32). Diese Texte sind einige der frühesten Selbstzeugnisse, die moderne Konzepte der Geschlechtervielfalt benutzen. Selbstzeugnisse von trans* und inter* Menschen werden oft vor dem Hintergrund sexualwissenschaftlicher Texte gelesen. Prozesse der (hegemonialen) Wissensproduktion werden von der queer historiography kritisch analysiert – so auch die Rolle des*der Historiker*in. Nur dann können Handlungsfähigkeit und Selbsterfahrung von trans* und inter* Menschen komplex dargestellt und analyisiert werden. Dazu dienen nicht nur geschichtswissenschaftliche, sondern auch literaturwissenschaftliche Betrachtungsweisen.
- Kursleiter*in: MA Orlando Meier-Brix
