Wie und warum analysiert man eigentlich populäre Musik? Für lange Zeit wurde die wissenschaftliche Analyse populärer Musik als nicht weiter relevant betrachtet, da sie als vermeintlich minderwertige Ausdrucksform der so genannten Kunstmusik unterlegen sei. Während die traditionelle Musikwissenschaft populäre Musik der Analyse nicht würdig befand, gingen der populären Musik gegenüber aufgeschlossene Kulturwissenschaftler*innen – insbesondere aus dem einflussreichen Feld der marxistisch geprägten Cultural Studies der 1970er und 1980er – der Analyse aus dem Weg, weil sie verdächtig nach bürgerlichem Musikverständnis roch.

In den letzten drei Dekaden hat sich das Bild merklich verändert. Analyse ist nun im Feld der Popmusikforschung fest verankert und sie lebt von Interdisziplinarität. Wir werden in diesem Seminar verschiedene Wege der popmusikalischen Analyse ergründen, die sich an den Schnittstellen der Musikwissenschaft, Kulturwissenschaft und Medienwissenschaft bewegen. Wir werden Forschungsparadigmen und Methoden erproben, musikalische Klänge nicht nur mit Notentexten, sondern auch mit Spektrogrammen, Formtabellen, grafischen Visualisierungen und mit Blick auf verschiedene Medientechnologien, performative Inszenierungen und kulturelle Diskurse und Praktiken analysieren.

Das Seminar richtet sich sowohl an Studierende der Musik/Musikwissenschaft als auch an Studierende der Kulturwissenschaft, da wir gezielt und produktiv diese Schnittstellen anvisieren.