Die Anerkennung und Bewältigung vergangenen Unrechts ist zu einem zentralen Merkmal heutiger Maßnahmen internationaler Konfliktregelung geworden, insbesondere in Ländern die innerstaatliche Konflikte und autoritäre Herrschaft überwunden haben. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Transitional Justice (TJ) als interdisziplinäres Forschungs- und Praxisfeld herausgebildet, das darauf abzielt, eine komplexe Reihe von Maßnahmen und Zielen zu verstehen und umzusetzen: von der Stärkung demokratischer und friedensbildender Prozesse bis hin zu nationaler Versöhnung. 

Wir konzentrieren uns im Seminar sowohl auf allgemeine theoretische Fragen als auch auf spezifische Fallbeispiele und betrachten eine Vielzahl an Fragen im Zusammenhang mit Transitional Justice: Welche sozialen und politischen Vermächtnisse hinterlassen die Erfahrungen von Gewalt und autokratischer Herrschaft? Was sind die besten Mittel, um mit dem Langzeitfolgen der Gewalt umzugehen? Welche Auswirkung hat Transitional Justice auf Demokratisierung und Versöhnung? Welche Rolle spielt die Wahrheitsfindung beim Wiederaufbau von Gesellschaften? Müssen Gesellschaften zwischen Wahrheit und Gerechtigkeit wählen? Welche Rolle sollten traditionelle Justizmechanismen in Transitional Justice Prozessen spielen? Was sind Vor- und Nachteile von internationalen gegenüber nationalen Ansätzen?