Die Vorlesung führt in die Epoche des Realismus ein und möchte einen Überblick über die realistische Literatur des 19. Jahrhunderts geben. Mit Blick auf die Anfänge der Epoche werden die Unterschiede zwischen romantischem und realistischem Erzählen erläutert; das Ende der Epoche wird wiederum von Strömungen wie dem Naturalismus abgegrenzt, der bereits der Frühen Moderne zugezählt wird. Daran anschließend wird das historische, soziale und mediale Umfeld von Texten in den Blick genommen, die im Zeitraum von 1850–1900 entstanden sind. Nicht nur der technische Fortschritt (neue Verkehrsmittel wie die Eisenbahn, neue Kommunikationsmedien wie die Telegraphie sowie neue Publikationsformate wie der Fortsetzungsdruck in Zeitschriften), die (pseudo-)wissenschaftliche Vermessung der Lebenswelt (Evolutionstheorien und sich neu formierende Wissenschaften wie die Soziologie) und sozio-politische Veränderungen (der Rückzug des Bürgertums ins Private oder die deutsche Reichsgründung im Jahr 1871), sondern auch Verschiebungen im Bereich der Künste (die Photographie als neue Darstellungs- und Kunstform) thematisierten, reflektierten und kritisierten Texte des Realismus. Neben dem Überblick über historische Kontexte und Inhalte des Realismus werden auch Einblicke in kanonische realistische Texte – Romane, Novellen und Dorfgeschichten, aber auch Dramen und Gedichte – von Adalbert Stifter, Gustav Freytag, Theodor Storm, Gottfried Keller, T! heodor Fontane, E. Marlitt, Marie von Ebner-Eschenbach und Wilhelm Raabe gewährt. Ausführungen zum Realismus als europäisches Phänomen – man denke an die realistischen Romane in der französischen, englischen und russischen Literatur – und zum realistischen Erzählen im 20. und 21. Jahrhundert sollen die Vorlesung abrunden.